Das Nachhaltigkeitsmanagement der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ)

Nachhaltigkeit ist für die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH ein zentrales Thema. Es beschreibt nicht nur unser Ziel in der internationalen Zusammenarbeit, sondern erklärt auch das „Wie“ unserer Arbeit. Nachhaltigkeit ist wesentliches Element der Unternehmensstrategie und damit handlungsleitend.

von Tanja Gönner
 

Nachhaltigkeitsmanagement ist für uns nicht nur Beiwerk oder wünschenswert. Wir haben uns als Unternehmen verpflichtet, bei allen Prozessen und Entscheidungen – von der Beschaffung bis zur Umsetzung – nachhaltig zu arbeiten. Dafür haben wir eine entsprechende Struktur aufgebaut: Das strategische Nachhaltigkeitsmanagement, dessen Verantwortung bei mir als Vorstandssprecherin liegt, ist systematisch im Unternehmen verankert und basiert auf drei Hauptpfeilern: Sustainability Board, Beauftragter des Vorstands für Nachhaltigkeit und Sustainability Office. Diese Einheiten arbeiten eng zusammen, um das Thema Nachhaltigkeit zu etablieren und kontinuierlich weiterzuentwickeln. Die drei Säulen bilden das stabile Fundament einer Architektur, die Nachhaltigkeit in sämtliche Unternehmensprozesse integriert: vom Catering über Mobilität und Treibhausgas-Kompensation bis zur Beschaffung von (Büro-)Material und Dienstleistungen, bei denen menschenrechtliche Grundsätze wie faire Gehälter sowie sichere und diskriminierungsfreie Arbeitsbedingungen eine zentrale Rolle spielen.

Unsere Struktur ist folgendermaßen aufgebaut: Das Sustainability Board trifft grundsätzliche strategische Entscheidungen. Ihm gehören die Vorstandssprecherin als Verantwortliche sowie Leiterinnen und Leiter verschiedener Stabsstellen und Bereiche an. Das Gremium tagt vier Mal im Jahr und beauftragt das Sustainability Office, Entscheidungen vorzubereiten und mit anderen Unternehmenseinheiten umzusetzen. Das Sustainability Office berät und koordiniert weitere Akteure: externe Interessensvertreterinnen und Interessensvertreter, Netzwerke, Umweltteams, Initiativen. Aber auch die Mitarbeitenden der Außenbüros der GIZ, die in 120 Schwellen- und Entwicklungsländern aktiv ist. Es unterstützt zudem den Beauftragten des Vorstands für Nachhaltigkeit, der die GIZ mit dem Sustainability Board nach außen und innen vertritt.

Kriterien für nachhaltige Beschaffung

In puncto Beschaffung setzt die GIZ dank gemeinsamer Anstrengungen von Sustainability Office und der Abteilung „Einkauf und Verträge“ ebenfalls auf Nachhaltigkeitskriterien. Als privatrechtlich organisiertes Bundesunternehmen mit weltweit mehr als 22.000 Mitarbeitenden ordert die GIZ enorme Mengen an Sachgütern und Dienstleistungen und setzt dies als Hebel zur Verbesserung der Nachhaltigkeit ein. Allein im Jahr 2019 hat sie fast 1,7 Milliarden Euro für Dienstleistungen, Sachgüter, Bau und Finanzierungen vergeben – an Unternehmen, Institutionen, NGOs und Einzelgutachter*innen. Die GIZ gestaltet Verträge so, dass Zulieferer verpflichtet sind, internationale Standards einzuhalten und menschenrechtliche Sorgfalt, soziale Verantwortung sowie ökologische Anforderungen zu beachten. Das gilt für In- und Ausland: von Büromaterialien mit Umweltzeichen über die Pflege der Grünflächen um die Liegenschaften durch einen Dienstleister, der mit Menschen mit Beeinträchtigungen arbeitet, bis hin zum fair gehandelten Kaffee in den Betriebsrestaurants. Auch die Dienstleister und Lieferanten selbst lernen die Nachhaltigkeitskriterien der GIZ kennen: Für sie hat die GIZ eine Online-Schulung entwickelt, in der sie nicht nur Details über die GIZ-Standards erfahren, sondern dazu ermutigt werden, ihr eigenes Nachhaltigkeitsmanagement auf- und auszubauen.

Das Sustainability Office und die Abteilung „Einkauf und Verträge“ arbeiten im Rahmen des Nationalen Aktionsplans (NAP) Wirtschaft & Menschenrechte daran, die menschenrechtliche Sorgfaltspflicht auch in Lieferketten zu verankern. Dazu gehören Vorgaben zu Sozialstandards wie den Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO – etwa die Beseitigung aller Formen von Zwangsarbeit, Diskriminierung und der Arbeit von Kindern sowie die Einhaltung des Mindestlohngesetzes. Bei Verstößen behält sich die GIZ Schadenersatzansprüche, Vertragsstrafen oder die fristlose Kündigung des Vertrags vor.

Unternehmensweit klimaneutral

Als Dienstleister für nachhaltige Entwicklung misst die GIZ dem Klimaschutz besondere Bedeutung bei. Das 2019 verabschiedete Klimaschutzgesetz der Bundesregierung sieht vor, dass bis 2030 alle deutschen Verwaltungen und Bundesunternehmen klimaneutral werden. Im Jahr 2018 stieß die GIZ in Deutschland rund 28.000 Tonnen Treibhausgase aus, im Ausland 100.000 Tonnen. Noch im Jahr 2020 will die GIZ unternehmensweit klimaneutral werden – im Inland ist sie es bereits seit 2013. Das bedeutet, auf dem Weg zum klimaneutralen Unternehmen den Treibhausgas (THG)-Ausstoß systematisch zu erfassen. Der Grundsatz lautet: Emissionen erst vermeiden, dann reduzieren und zuletzt kompensieren. Einen Beitrag dazu leisten Neubauten der GIZ, etwa in Bonn, die den gehobenen Standards des nachhaltigen Bauens entsprechen. Zudem nutzen sämtliche Standorte in Deutschland fast ausschließlich Ökostrom.

Nachhaltige Mobilität ist ein weiteres Instrument, den CO2-Ausstoß zu verringern – besonders bei einem weltweit tätigen Unternehmen wie der GIZ. Im Jahr 2018 entfielen rund 80 Prozent der von der GIZ verursachten Emissionen auf Flugreisen. Digitale Technologien wie Online-Konferenzen können zwar einen Teil der Reisen ersetzen, jedoch nicht alle. Der persönliche Austausch ist für die wirkungsvolle Arbeit der GIZ in vielen Fällen unerlässlich. Auch hier gilt, Treibhausgas-Emissionen, wo immer möglich, zu vermeiden und zu prüfen, inwieweit Reisen wirklich notwendig sind. Als weitere Maßnahme im Bereich Mobilität planen wir, unsere Reisekostenrichtlinie anzupassen, so dass hier künftig gezielt Nachhaltigkeitskriterien integriert sind. Diese soll dazu anhalten, in Deutschland und Europa verstärkt die Bahn zu nutzen und bei Flügen CO2-effiziente Fluglinien und -routen zu buchen.

Nachhaltigkeitsmanagement ist seit Jahren fest in unserer Unternehmensstruktur und -kultur verankert. So konzipierte die GIZ ein unternehmensweites Nachhaltigkeits- und ein separates Umweltprogramm, das für einen Zeitraum von fünf Jahren für einzelne Organisationseinheiten Ziele und Maßnahmen definiert. Anhand festgeschriebener Indikatoren sind Umsetzungserfolge messbar. Das aktuelle Programm gilt für 2016 bis 2020; es wird für die Jahre 2021 bis 2025 fortgeschrieben. Dabei zeigten sich Verbesserungsmöglichkeiten: Wir haben beispielsweise gelernt, dass wir detaillierter beschreiben müssen, welche Organisationseinheit für welches Ziel verantwortlich ist, um bei Bedarf nachjustieren zu können. Wir stellen die eigenen Maßnahmen immer wieder auf den Prüfstand. Denn wir sind überzeugt, dass dies ein entscheidender Faktor für ein erfolgreiches Nachhaltigkeitsmanagement ist.

Transparenz durch klare Standards

Aus diesem Grund hat die GIZ eine Bestandsaufnahme ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten in Auftrag gegeben, um zu erfahren, wo Optimierungsbedarf besteht. Positiv beurteilten die externen Expertinnen und Experten bei dieser unternehmensstrategischen Evaluierung, dass die GIZ über systemische Ansätze, Strukturen und Instrumente zum Management der Nachhaltigkeit verfügt. Standards, Selbstverpflichtungen und eine ausführliche Berichterstattung leiten und schaffen Transparenz. Insbesondere die Organisationsstruktur mit Sustainability Board, Nachhaltigkeitsbeauftragtem und Sustainability Office bietet gute Voraussetzungen für ein effektives Management. Das Bewertungsteam empfahl aber auch, Leitplanken für den Umgang mit Zielkonflikten zu formulieren, etwa, wenn die ökologisch sinnvollere Variante eines Produktes deutlich teurer ist. Es soll Kriterien geben, wie in solchen Fällen zu entscheiden ist – daran arbeiten wir derzeit.

Unsere Erfahrung ist jedoch auch, dass die kontinuierliche Weiterentwicklung eines Nachhaltigkeitsmanagements durchaus Herausforderung birgt. Unerlässlich ist dabei, dass das Thema nicht als zusätzliche Aufgabe gesehen wird, sondern Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus eigenem Antrieb handeln – und davon überzeugt sind. Dies ist auch für die GIZ ein stetiger Lernprozess, dessen bisherige Erfolge mich stolz und zuversichtlich machen. Leistungsbereitschaft und Ideenreichtum sind enorm: Beschäftigte bringen Impulse in Mitarbeiterinitiativen sowie bei Sitzungen der Umweltteams ein und regen zu neuen Projekten an. Freiwilliges Engagement für Nachhaltigkeit zahlt sich aus: Führungskräfte können dies in die Jahresziele ihrer Mitarbeitenden aufnehmen. Denn die GIZ betrachtet Nachhaltigkeit nicht nur als Top-Down-Element, sondern als eines, das von der Mitarbeiterschaft mitgestaltet und mitgetragen wird: Auch scheinbare kleinere Initiativen wie Wildblumenwiesen, Leihfahrräder, Bieneninitiative und Insektenhotels bereichern die unternehmensweite Nachhaltigkeitsarchitektur – und nebenbei das Betriebsklima.

Tanja Gönner ist seit 2012 Vorstandssprecherin der GIZ. 2004 bis 2011 gehörte die CDU-Politikerin Regierungen des Landes Baden-Württemberg als Sozial-, Umwelt– und Verkehrsministerin an. Die Volljuristin absolvierte vor ihrem Jura-Studium eine Ausbildung zur Rechtspflegerin.

 

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