Gewalt gegen ältere Menschen ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Die dbb bundesseniorenvertretung fordert den Ausbau wirksamer Schutzstrukturen.
„Viele ältere Menschen verschweigen ihre Gewalterfahrungen aus Scham, Angst oder Abhängigkeit. Das macht deutlich: Wir müssen Strukturen schaffen, die Schutz bieten und Vertrauen ermöglichen“, erklärte der Vorsitzende der dbb bundesseniorenvertretung, Horst Günther Klitzing, aus Anlass des Internationalen Tages gegen die Misshandlung älterer Menschen am 15. Juni. „Gewalt im Alter darf nicht tabuisiert werden. Sie betrifft die Grundrechte von Menschen und fordert unser entschiedenes Handeln.“
Die dbb bundesseniorenvertretung fordert, Gewalt im Alter konsequent sichtbar zu machen und wirksam zu bekämpfen. Das Recht auf ein Leben in Würde, Sicherheit und Selbstbestimmung darf weder im privaten noch im öffentlichen Raum eingeschränkt werden.
Gewalt gegen ältere Menschen ist keine Randerscheinung, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem. Sie tritt in unterschiedlichen Formen auf: körperliche Übergriffe, psychische Gewalt wie Demütigungen und Einschüchterungen, finanzielle Ausbeutung sowie Vernachlässigung oder entwürdigende Behandlung – auch in Pflege- und Betreuungssituationen. Besonders gefährdet sind Menschen, die auf Unterstützung angewiesen oder sozial isoliert sind.
„Abhängigkeit von nahestehenden Personen und die Sorge, niemand werde ihnen glauben, führen häufig genug dazu, dass Gewalterfahrungen verborgen bleiben“, betonte Klitzing. „Wer in seiner Mobilität eingeschränkt, auf Pflege angewiesen ist oder isoliert lebt, hat kaum Möglichkeiten, Hilfe zu holen oder sich einer belastenden Situation zu entziehen.“
Die dbb bundesseniorenvertretung fordert deshalb mehr Aufmerksamkeit im Alltag, bessere Aufklärung über Warnsignale und niedrigschwellige, verlässliche Hilfsangebote. Notwendig sind wirksame Schutzstrukturen für Betroffene, eine stärkere Unterstützung pflegender Angehöriger, qualifizierte Ansprechstellen sowie eine gesellschaftliche Kultur des Hinschauens anstatt des Wegsehens. Horst Günther Klitzing: „Ältere Menschen haben das Recht auf ein Leben in Sicherheit, Würde und Respekt – dieses Recht gilt es überall und jederzeit zu schützen. Eine altersgerechte Gesellschaft misst sich daran, wie sie mit ihren verletzlichsten Mitgliedern umgeht.“ Gewalt im Alter zu verhindern, sei Voraussetzung für echte Teilhabe und soziale Sicherheit im Alter.
Hintergrund: Der Internationale Tag gegen die Misshandlung älterer Menschen (World Elder Abuse Awareness Day) findet jedes Jahr am 15. Juni statt. Er wurde von den Vereinten Nationen ins Leben gerufen, um auf Gewalt, Vernachlässigung und Ausbeutung älterer Menschen aufmerksam zu machen und für Präventionsmaßnahmen zu sensibilisieren.
Gewalt gegen ältere Menschen hat viele Gesichter. Sie reicht von körperlichen Übergriffen über psychische Demütigungen, Einschüchterungen und Beleidigungen bis hin zu finanzieller Ausbeutung, etwa durch Druck, unzulässige Einflussnahme oder missbräuchliche Verfügungen über Geld und Eigentum. Hinzu kommen Vernachlässigung, Freiheitsentzug, sexualisierte Übergriffe sowie entwürdigende Behandlung im Alltag oder in Pflegesituationen. Gerade dort, wo Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, entstehen besondere Risiken, wenn Machtgefälle, Überforderung oder mangelnde Sensibilität aufeinandertreffen.